Hotels haben eine neue Lieblingsidee.
Sie nennen es Umweltschutz.
Ich nenne es: Serviceabbau mit grünem Schleifchen.
In Hotels kommt beim Check-in inzwischen der Hinweis, dass bei Aufenthalten ab zwei Nächten die Zimmerreinigung nicht mehr automatisch vorgesehen ist. Wegen Umweltschutz. Wer trotzdem eine Reinigung möchte, muss dem widersprechen.
Ach so.
Man bucht also ein arschteures Hotelzimmer.
In - z.B. - einem Freizeitparkhotel.
Und dann ist die Reinigung nicht mehr Standard, sondern offenbar eine Art Sonderwunsch mit moralischem Beigeschmack.
Natürlich für die Umwelt.
Immer für die Umwelt.
Die Umwelt ist inzwischen wirklich praktisch. Sie muss für alles herhalten, was früher einfach „wir sparen uns Aufwand“ hieß.
Weniger Handtücher?
Umwelt.
Weniger Reinigung?
Umwelt.
Weniger Housekeeping?
Bestimmt auch Umwelt.
Irgendwann steht beim Frühstück nur noch ein leerer Teller mit QR-Code und dem Hinweis:
„Aus Nachhaltigkeitsgründen denken Sie sich das Buffet bitte selbst.“
Ich kenne das aus Hotels eigentlich andersherum.
Da hängt ein Schild im Zimmer: Wer auf die Reinigung verzichtet, bekommt eine Gutschrift, ein Freigetränk, Bonuspunkte oder wenigstens das gute Gefühl, freiwillig auf etwas verzichtet zu haben.
Freiwillig.
Das ist das wichtige Wort.
Der Standard war: Zimmer wird gereinigt.
Der Verzicht war: aktive Entscheidung.
Jetzt wird es umgedreht.
Der Standard ist: keine Reinigung.
Die Reinigung ist: bitte melden, wenn du wirklich den Service möchtest, für den du ohnehin bezahlt hast.
Mutig.
Sehr mutig.
Und besonders hübsch wird es, wenn man auf die Hotelklassifizierung schaut. Die Deutsche Hotelklassifizierung nennt die tägliche Zimmerreinigung ausdrücklich einen Standard zur Aufrechterhaltung von Sauberkeit, Sicherheit und Hygiene. Nachhaltigkeit ist dabei möglich — aber als Opt-out: Gäste können bewusst auf die tägliche Reinigung verzichten. Nicht andersherum.
Das ist keine sprachliche Kleinigkeit.
Das ist der Unterschied zwischen Service und Serviceabbau.
Zwischen freiwilligem Verzicht und voreingestellter Sparmaßnahme.
Zwischen:
„Möchten Sie der Umwelt zuliebe verzichten?“
und:
„Wir machen es erst mal nicht. Sagen Sie Bescheid, wenn Sie Hotelservice wollen.“
Schön.
Sehr Premium.
Sehr „wir haben Service neu gedacht“.
Nein.
Ihr habt ihn nur umgedreht.
Natürlich ist Nachhaltigkeit im Hotel sinnvoll. Niemand braucht jeden Tag neue Bettwäsche. Niemand braucht sinnlosen Handtuchwechsel, wenn das Handtuch noch sauber ist. Niemand braucht Luxusverschwendung, nur damit sich Urlaub nach Ressourcenverbrennung anfühlt.
Aber Zimmerreinigung ist mehr als frische Handtücher.
Es geht um Mülleimer.
Bad.
Boden.
Bett.
Frische.
Ordnung.
Dieses kleine Hotelgefühl, nach einem langen Tag zurückzukommen und nicht in denselben familiären Trümmerzustand zu laufen, den man morgens verlassen hat.
Gerade in einem Freizeitparkhotel.
Kinder.
Pommes.
Wasserbahn.
Sonnencreme.
Regen.
Matsch.
Tüten.
Klamotten.
Und dann kommt man zurück ins Zimmer, das standardmäßig nicht gemacht wird, weil Umwelt.
Klar.
Der Freizeitparktag ist ja bekanntlich eine sterile Aktivität mit Laborbedingungen.
Und ja, man kann widersprechen.
Super.
Das ist diese moderne Service-Logik:
Wir nehmen dir etwas weg, aber du darfst es aktiv zurückfordern.
Wie großzügig.
Genau da riecht es eben nicht nach Nachhaltigkeit.
Sondern nach Excel.
Zimmerreinigung kostet Geld. Personal kostet Geld. Zeit kostet Geld. Wäsche kostet Geld. Wenn man die Reinigung bei längeren Aufenthalten standardmäßig streicht, spart das Hotel. Das kann man machen. Aber dann bitte ehrlich.
Sagt nicht nur „Umweltschutz“, wenn ihr gleichzeitig die Preise nicht sichtbar senkt.
Sagt: Wir sparen Aufwand und hoffen, dass Nachhaltigkeit besser klingt.
Wäre wenigstens transparent.
Denn wenn der Gast auf Leistung verzichtet und das Hotel spart, sollte nicht nur das Hotel profitieren.
Eine Gutschrift.
Ein Getränk.
Ein kleiner Vorteil.
Irgendetwas.
Aber einfach den Standardservice reduzieren, es grün anmalen und dem Gast die Holschuld geben?
Brennen die?
Vielleicht nicht.
Vielleicht optimieren sie nur.
Für die Umwelt.
Natürlich.
Die Umwelt sitzt vermutlich irgendwo im Housekeeping-Plan und freut sich, dass sie mal wieder Personalkosten erklären darf.