Movie Park Germany hat eine neue Attraktion angekündigt: „Journey to the Forbidden Chamber“.
Also im Grunde: Der alte Lost Temple war offenbar doch nicht verloren. Er wurde nur kurz in die Marketingabteilung getragen, mit Paramount eingerieben und kommt jetzt als „multimediales Filmstudioerlebnis“ zurück.
Klingt groß.
Klingt teuer.
Klingt nach einer Pressemitteilung, in der jedes zweite Wort eine Nebelmaschine braucht.
Statt Dinosaurier-Simulator mit 3D-Brille gibt es jetzt also Tempel, Setbesuch, Casting, Ausgrabung, verbotene Kammer, Steinkrieger, Laser, Feuer, Videomapping, CGI und eine Moving Stage. Kurz gesagt: Alles, was man in Bottrop unterbringen kann, ohne dass die Feuerwehr nervös wird.
Und ja, ich bin interessiert.
Leider.
Denn so sehr man über den Movie Park lästern kann - und man kann, sehr gut sogar - die Idee ist nicht schlecht. Ein Filmpark sollte nach Filmpark aussehen. Nicht nach „Wir haben da noch eine Halle, stell mal was mit Projektor rein“. Wenn Paramount jetzt nicht nur als Logo über der Tür hängt, sondern wirklich Studio-Atmosphäre bringt, könnte das funktionieren.
Könnte.
Das ist hier das wichtige Wort.
Denn zwischen „Hollywood in Germany“ und „Bottrop mit Soundeffekt“ liegen erfahrungsgemäß ungefähr drei defekte Monitore, ein müder Pre-Show-Actor und ein Beamer, der dringend mal kalibriert werden möchte.
Der Movie Park verspricht diesmal einiges: 2.500 Quadratmeter, überarbeitete Wegführung, mehr Kapazität, keine 3D-Brillen mehr, barriereärmeres 2D-Erlebnis und einen Paramount Showroom mit Trailern, Kostümen, Fotopoints und einem originalen Caddy vom Studiogelände.
Das liest sich besser als: „Wir haben den alten Tempel neu tapeziert.“
Aber Pressemitteilungen lesen sich immer gut. Das ist ihr Job. Niemand schreibt: „Wir hoffen, dass die Effekte am Eröffnungstag alle gleichzeitig funktionieren und der Nebel nicht wieder nach Schulkeller riecht.“
Schade eigentlich. Wäre ehrlicher.
Spannend ist, dass Movie Park hier offenbar wieder stärker an seine eigentliche Identität will. Film. Studio. Kulisse. Requisite. Dieses ganze „Du bist jetzt Statist in einem Abenteuerfilm“-Ding. Genau das war immer der Reiz des Parks. Nicht die perfekte Illusion. Nicht Disney-Glätte. Sondern dieses leicht schiefe, manchmal charmante, manchmal sehr deutlich zusammengebaute Hollywood-Gefühl aus NRW.
Hollywood in Bottrop war schon immer ein mutiger Satz.
Aber wenigstens ist es ein Satz mit Charakter.
Und Charakter ist besser als noch eine austauschbare Attraktion mit generischem Namen und Warteschlange im Industriehallenlicht.
Trotzdem bleibt Skepsis angebracht. Gerade bei Begriffen wie „immersiv“, „interaktiv“ und „multimedial“. Das sind Wörter, die in Freizeitparks oft bedeuten: Du stehst rum, ein Bildschirm redet mit dir, irgendwo zischt Druckluft, und am Ende darfst du durch einen Shop gehen.
Vielleicht wird es diesmal mehr.
Vielleicht wird aus dem alten Lost Temple wirklich ein stimmiges Studioabenteuer.
Vielleicht fühlt es sich nach Paramount an und nicht nach „Paramount hat freundlicherweise erlaubt, dass sein Name größer auf dem Schild steht“.
Vielleicht sind die Steinkrieger sogar überzeugender als manche Menschen in der Warteschlange.
Ich wünsche es dem Park.
Wirklich.
Denn Movie Park Germany braucht genau solche Dinge: keine reinen Rekordmaschinen, sondern Attraktionen, die zur eigenen Geschichte passen. Filmpark sein ist nämlich mehr als Logos, Lizenznamen und ein paar Requisiten hinter Plexiglas.
Filmpark sein heißt: Für ein paar Minuten so tun, als wäre Bottrop nicht Bottrop.
Das ist schwer.
Aber nicht unmöglich.
Also gut, Movie Park. Zeig uns die verbotene Kammer.
Aber bitte nicht nur einen Beamer mit Selbstbewusstsein.