Kaum strandet ein Wal, werden aus ganz normalen Leuten plötzlich Küstenbiologen, Meeressäugerethiker und emotionale Sonderbeauftragte des Nordatlantiks. Alle wissen sofort ganz genau, was zu tun, zu fühlen und zu fordern ist - natürlich ohne jede Ahnung, aber mit maximaler Lautstärke.

Und dann diese Heuchelei: Mit halbem Fischbrötchen in der Hand was von „Respekt vor dem Tier“ faseln, als wäre Lachs plötzlich Gemüse, solange man beim Wal betroffen genug guckt. Der Unterschied ist nur: Ein Wal ist groß, selten und fotogen. Das reicht offenbar, damit Leute ihr sonst gut wegsortiertes Verhältnis zu Tierleid kurz dekorativ aufpolieren.

Besonders unerquicklich ist dieses Verniedlichen. Timmy. Als wäre das kein gestrandeter Wal, sondern ein leicht trauriger Austauschschüler mit Strickjacke. Alles muss sofort emotional vermenschlicht, symbolisch aufgeladen und zu Content verarbeitet werden. Hauptsache, niemand verpasst die Gelegenheit, sich selbst im richtigen Licht neben dem Elend zu platzieren.

Nicht der Wal nervt. Das menschliche Theater nervt. Dieses sentimentale Gekreische, diese ahnungslose Moralartistik, diese Fischbrötchenheuchelei mit Betroffenheitsfilter. Weniger Pathos, weniger Selbstinszenierung, weniger Quatsch. Timmy tut mir leid. Der Rest geht mir auf die Nerven.