Ernsthaft?
Weit über 1000 Euro für ein Handy?
Ein Handy.
Kein Quantencomputer.
Kein Gaming-PC.
Kein Serverrack.
Kein goldener Ziegel mit WLAN.
Ein Handy.
Ein Gerät, das am Ende vor allem drei Dinge macht:
Nachrichten anzeigen.
Fotos knipsen.
Akku verlieren.
Und dafür soll man inzwischen Preise zahlen, für die man früher einen ordentlichen Gaming-PC bekommen hat.
Mit Grafikkarte.
Mit Lüftern.
Mit Gehäuse.
Mit Kabelsalat.
Mit dem Gefühl, etwas gekauft zu haben, das wenigstens aussieht, als hätte es 1000 Euro Material verschluckt.
Heute bekommt man dafür ein flaches Glasbrett, das sofort beleidigt ist, wenn es auf den Boden fällt.
„Es hat aber eine tolle Kamera.“
Schön.
Mein Auge hat auch eine gute Auflösung und kostet keine 1299 Euro plus Hülle.
Natürlich sind Smartphones technisch beeindruckend.
Klar.
Prozessoren.
Displays.
Kameras.
Sensoren.
KI-Gedöns.
Satelliten-Notruf.
Titanrahmen.
Wasserfestigkeit.
Alles nett.
Aber irgendwo ist doch mal Schluss.
Ein Telefon für 1200, 1400 oder 1600 Euro ist keine normale Anschaffung mehr.
Das ist ein Monatsmietgerät mit Taschenformat.
Und das Absurde ist:
Wir haben uns daran gewöhnt.
Früher hätte man gesagt:
„Du hast wie viel für dein Handy bezahlt?“
Heute heißt es:
„Ach, mit Vertrag geht’s.“
Nein, Kevin.
Es geht nicht.
Du zahlst es nur in kleinen Schmerzen.
Das ist wie ein Faustschlag auf Raten.
Und natürlich kommt dann immer dieses Marketing:
„Pro.“
„Ultra.“
„Max.“
„Plus.“
„AI.“
„Studio.“
„Experience.“
Alles klingt, als würde man gleich ein Filmstudio kaufen.
Am Ende scrollt man damit durch Wetter-App, WhatsApp, Mastodon und drei schlechte Reels.
Sehr Pro.
„Unser bisher stärkstes Smartphone.“
Ach.
Wirklich?
Das neue Gerät ist besser als das alte?
Danke, Technikbranche.
Ich war kurz unsicher, ob ihr dieses Jahr absichtlich ein schlechteres baut.
Und trotzdem:
Mehr Leistung.
Mehr Kamera.
Mehr Speicher.
Mehr Display.
Mehr Preis.
Immer mehr.
Und dann gibt es noch faltbare Smartphones.
Also Handys, die noch teurer sind, weil man sie knicken kann.
Früher war ein Knick im Display ein Versicherungsfall.
Heute ist es ein Feature.
„Foldable.“
Schön.
Mein Portemonnaie klappt auch zusammen, wenn ich den Preis sehe.
Nur die Frage, ob normale Menschen das wirklich brauchen, wird erstaunlich selten gestellt.
Braucht jeder eine Kamera, die Mondkrater fotografieren kann, während die eigene Küche im Halbdunkel trotzdem aussieht wie Tatortbeleuchtung?
Braucht jeder 1 TB Speicher, um 8000 identische Fotos vom Hund und 43 Screenshots von Paketnummern zu lagern?
Braucht jeder KI im Handy, damit das Gerät noch besser errät, welchen überteuerten Mist man als Nächstes kaufen soll?
Vielleicht nicht.
Vielleicht reicht für viele auch einfach ein gutes Handy.
Mit gutem Akku.
Guter Kamera.
Langen Updates.
Reparierbarem Display.
Fairerem Preis.
Aber das klingt natürlich nicht nach Keynote.
Das klingt nach Vernunft.
Und Vernunft verkauft sich schlechter als „Titan“.
Besonders lächerlich wird es beim Lebenszyklus.
Du kaufst ein Handy für über 1000 Euro.
Nach zwei Jahren ist der Akku müde.
Nach drei Jahren gibt es erste Update-Nervosität.
Nach vier Jahren wird es langsam behandelt wie Technik aus dem Mittelalter.
„Dieses Gerät wird nicht mehr unterstützt.“
Ach.
Das Ding hat mehr gekostet als mein erster Rechner.
Aber klar.
Zu alt.
Weg damit.
Nachhaltigkeit.
Natürlich.
„Wir verwenden recyceltes Aluminium.“
Sehr schön.
Und danach verklebt ihr alles so, dass Reparatur klingt wie Herzchirurgie im Apple Store.
Oder Samsung Store.
Oder wo auch immer der Premium-Schmerz gerade wohnt.
Dazu kommen Hüllen.
Schutzglas.
Versicherung.
Cloudspeicher.
Schnellladegerät, falls überhaupt noch eins dabei ist.
„Aus Umweltgründen.“
Natürlich.
Aus Umweltgründen fehlt das Netzteil.
Aus Umsatzgründen gibt es eins für 39 Euro.
Danke für euren Dienst am Planeten.
Und am Zubehörregal.
Am Ende ist das Smartphone nicht nur ein Gerät.
Es ist ein perfektes Konsumprodukt.
Teuer.
Emotional.
Statusgeladen.
Regelmäßig erneuerbar.
Schwer reparierbar.
Mit Ökosystem verklebt.
Mit Cloud verbunden.
Mit Abo-Möglichkeiten dekoriert.
Ein kleiner goldener Käfig für die Hosentasche.
Und alle tun so, als sei das normal.
„Welches holst du dir?“
Gar keins.
Meins funktioniert.
Skandal.
Natürlich darf jeder kaufen, was er will.
Wer Spaß an Technik hat, bitte.
Wer die beste Kamera will, okay.
Wer viel Geld übrig hat, schön.
Aber man darf trotzdem sagen:
Diese Preise sind absurd geworden.
Ein Handy ist wichtig.
Ja.
Aber es ist kein Heiligtum.
Kein Schmuckstück mit SIM-Karte.
Kein Statusbeweis.
Kein Grund, sich über zwei Jahre in einen Vertrag einzumauern, nur damit man ein Gerät besitzt, das am Ende auch nur fragt:
„Update jetzt installieren?“
Am Ende bleibt:
Weit über 1000 Euro für ein Handy ist irre.
Nicht, weil Technik nichts kosten darf.
Sondern weil die Branche uns eingeredet hat, dass dieser Wahnsinn normal sei.
Früher hat man für das Geld einen Gaming-PC gekauft.
Heute bekommt man ein Glasbrett mit Kamera, Cloudbindung und Akkusorgen.
Ein Handy.
Kein Quantencomputer.
Auch wenn die Hersteller genau so tun.