Volkswagen verdient weniger.

Überraschung.

Der Gewinn nach Steuern ist im ersten Quartal um 28 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro eingebrochen, der Umsatz sank um 2,5 Prozent, die Auslieferungen gingen um 4 Prozent zurück. Konzernchef Oliver Blume spricht von einem „großen Kostenproblem“.

Ach was.

Ein Kostenproblem.

Bei Volkswagen.

Dem Konzern, der es geschafft hat, dass ein Polo inzwischen in Regionen fährt, in denen früher Menschen überlegt haben, ob sie nicht doch lieber gleich ein richtiges Auto kaufen.

Ein Polo.

POLO.

Das Auto, das mal für „klein, vernünftig, bezahlbar“ stand. Nicht für: „Bitte bringen Sie Gehaltsnachweise, eine Niere und Ihre Bereitschaft zum Leasinggespräch mit.“

Volkswagen listet den normalen Polo aktuell ab 20.135 Euro, Sondermodelle wie der Polo Energy starten bei 24.345 Euro, der neue elektrische ID. Polo soll bald ab 24.995 Euro kommen, aktuell konfigurierbare Varianten liegen beim ID. Polo sogar ab 33.795 Euro.

Und dann wundert man sich, dass Leute zögern. Oder einfach nicht bei VW kaufen.

Komisch.

Vielleicht liegt es nicht nur an China. Nicht nur an Zöllen. Nicht nur am Markt, am Wettbewerb, an geopolitischen Risiken, an Transformationskosten und all den anderen Wörtern, die in Konzernpräsentationen herumliegen wie schlecht sortierte Kabel.

Vielleicht liegt es auch daran, dass normale Menschen irgendwann auf ein Preisschild schauen und denken:

Für einen Polo?

Für einen Polo?

Nicht falsch verstehen: Autos sind komplexer geworden. Sicherheit, Assistenzsysteme, Abgasnormen, Software, Elektrifizierung, alles teuer. Geschenkt.

Aber der Kunde steht trotzdem nicht im Autohaus und denkt: „Ah, wunderbar, diese Marge fühlt sich strukturell herausfordernd an.“

Der Kunde denkt: „25.000 Euro für einen Kleinwagen? Habt ihr Lack gesoffen?“

Und genau da wird es schwierig.

Volkswagen will Volumen, Marge, Elektro-Offensive, Premiumgefühl, China-Konkurrenz schlagen und gleichzeitig irgendwie noch Volkswagen bleiben. Also das Auto fürs Volk. Nur eben für ein Volk mit erstaunlich entspannter Kreditwürdigkeit.

Vielleicht ist das Problem gar nicht, dass VW keine Autos verkaufen kann.

Vielleicht ist das Problem, dass VW vergessen hat, warum Menschen früher VW gekauft haben.

Nicht wegen Lifestyle.

Nicht wegen „Brand Experience“.

Nicht wegen Touchflächen, die im Winter schlechter reagieren als ein müder Beamter.

Sondern weil ein VW solide, verständlich und erreichbar war.

Heute wirkt vieles eher wie: solide vielleicht, verständlich selten, erreichbar nur mit Finanzierungsrechner.

Aber gut.

Bestimmt ist der Markt schuld.

Der Markt, diese undankbare Sau, will einfach keine Kleinwagen zum Preis eines sehr ernsten Lebensentscheids kaufen.

Frech eigentlich.