Früher hieß es Zirkeltraining.
Heute steht man dafür in einer Messehalle, zahlt Startgeld, bekommt eine Nummer auf die Brust und tut so, als hätte man gerade eine Expedition durch Mordor gebucht.
Achtmal laufen.
Dazwischen Schlitten schieben, Schlitten ziehen, rudern, Ski-Gerät würgen, Sandsäcke tragen, Ausfallschritte machen und am Ende Bälle gegen eine Wand werfen, als hätte die Wand einem persönlich etwas getan.
Sport?
Klar.
Aber auch: Selbstoptimierungszirkus mit Zeitmessung.
Das Ganze sieht aus wie ein Bundesjugendspiel, das ein Unternehmensberater auf Proteinpulver neu erfunden hat.
Alles ist messbar.
Alles ist branded.
Alles ist Event.
Alles ist Content.
Man schwitzt nicht einfach.
Man performed.
Man leidet nicht.
Man finished.
Man ist nicht erschöpft.
Man ist „stronger than yesterday“.
Natürlich braucht es danach ein Foto.
Mit Medaille.
Mit Zeit.
Mit dramatischem Blick.
Mit Caption über Disziplin, Mindset und Grenzen, die man angeblich verschoben hat.
Die Grenze war übrigens meist zwischen Vernunft und Startgebühr.
Aber gut.
Das Nervige ist nicht, dass Menschen Sport machen. Sport ist gut. Bewegung ist gut. Nicht den ganzen Tag wie ein müder Bürohamster auf einem Stuhl zu verenden, ist ebenfalls gut.
Das Nervige ist dieser Zirkus darum.
Aus ganz normalem hartem Training wird eine Lifestyle-Messe mit Schweißgeruch. Aus Zirkeltraining wird eine Identität. Aus Muskelkater wird Markenbindung.
Und alle tun so, als sei das eine völlig neue Erfindung.
Dabei hat irgendein sehr cleverer Mensch einfach gesagt:
Was wäre, wenn wir Leute laufen lassen, dazwischen Sachen schleppen lassen, ihnen eine Startnummer geben und danach ein Finisher-Foto verkaufen?
Genial.
Fitnessstudio, aber mit Eintritt.
Schulsport, aber teurer.
Leiden, aber instagrammable.
Besonders schön ist dieser soziale Druck drumherum.
„Das musst du auch mal machen.“
Nein.
Muss ich nicht.
Ich muss nicht freiwillig einen Schlitten durch eine Halle drücken, nur damit mir später jemand „Maschine!“ unter ein Foto schreibt.
Ich muss auch keine Sandtasche umarmen, während ich aussehe, als würde mein Körper gerade juristische Schritte gegen mich prüfen.
Man darf trainieren, ohne daraus ein öffentliches Erlösungsdrama zu machen.
Man darf schwitzen, ohne Hashtag.
Man darf sich bewegen, ohne Finisher-Shirt.
Verrückt, ich weiß.
Aber genau das scheint heute fast verdächtig.
Wenn kein Foto existiert, war der Puls dann überhaupt hoch?
Wenn keine Medaille um den Hals hängt, hat das Training dann stattgefunden?
Wenn niemand kommentiert „stark, Bro“, ist man dann wirklich gewachsen?
Vielleicht.
Vielleicht war man einfach nur beim Sport.
Ganz ohne Messehalle.
Ganz ohne Startblock.
Ganz ohne diesen feierlichen Ernst, mit dem Menschen einen Sandsack tragen, als würden sie gleich die Welt retten.
Am Ende ist es natürlich jedem selbst überlassen.
Wer Spaß daran hat: bitte.
Wer Ziele braucht: bitte.
Wer sich durch acht Laufabschnitte und diverse Strafarbeiten mit Geräten kämpfen möchte: bitte sehr.
Aber nennen wir es nicht Revolution.
Es ist Zirkeltraining mit Ticketshop.
Und sehr guter Social-Media-Abteilung.