Backstreet Boys in Düsseldorf.

Sehr gut.

Ja, wirklich.

Nostalgie, volle Arena, tausende Leute mit Bock und Songs, bei denen Erwachsene plötzlich wieder wissen, welches Poster 1999 über ihrem Bett hing.

Kann ich überhaupt nichts gegen sagen.

Aber:

20 Uhr heißt 20 Uhr.

Wenn offiziell Konzertbeginn um 20 Uhr angegeben ist, dann gehe ich davon aus, dass um 20 Uhr ungefähr etwas passiert.

Verrückte Erwartung.

Ich weiß.

Also sitzt man da.

20:00 Uhr.

Nichts.

20:05 Uhr.

Okay.

Geschenkt.

20:10 Uhr.

Kann passieren.

20:15 Uhr.

Hallo?

20:20 Uhr.

Ich kenne inzwischen meinen Sitznachbarn besser als Teile meiner Familie.

20:25 Uhr.

Vielleicht machen wir zusammen Weihnachten.

Und irgendwann Richtung 20:30 Uhr:

Backstreet’s back.

Alright.

Ja.

Merk ich.

Das Konzert selbst?

Cool.

Die Show?

Cool.

Die Stimmung?

Auch cool.

Und die Anreise?

Überraschend gut organisiert.

Wirklich.

Zufahrt, Parken, rein – lief.

Da darf man auch mal sagen:

Gut gemacht.

Es geht also.

Was später noch wichtig wird.

Die Musik selbst war allerdings stellenweise brutal laut.

Nicht:

„Konzert ist halt laut.“

Das weiß ich.

Ich gehe auch nicht in eine Arena und beschwere mich darüber, dass jemand Musik angemacht hat.

Aber das war teilweise eher:

Sound mit Körperverletzungsabsicht.

Manchmal so laut, dass es schon wieder komisch klang.

Nicht schlecht.

Aber ein bisschen kaputt.

Und irgendwann war die Lautstärke selbst das Instrument.

Bass?

Da.

Stimme?

Da.

Musik?

Auch da.

Meine inneren Organe?

Kurz neu sortiert.

Der Tontechniker muss irgendwann gefragt haben:

„Geht noch mehr?“

Und jemand hat offenbar gesagt:

„Keine Ahnung. Dreh einfach.“

Ein bisschen weniger hätte völlig gereicht.

Wir wollten Backstreet Boys hören.

Nicht prüfen, ob die Dachkonstruktion DIN-konform ist.

Trotzdem:

Die Show macht Spaß.

Die Jungs liefern.

Die Hits funktionieren.

Und diese Mischung aus „Wir sind alle älter geworden“ und „scheiß drauf, Everybody!“ funktioniert erstaunlich gut.

Was mir aber wirklich gefehlt hat:

Feuerwerk.

Ja.

Ich weiß.

Luxusproblem.

Aber ganz ehrlich:

Bei so einer Show?

Bei so einer Arena?

Bei so einem Finale?

Da wartet ein Teil von mir einfach auf:

BOOM.

Licht.

Feuer.

Konfetti.

Irgendetwas, bei dem die Arena kurz sagt:

So. Jetzt drehen wir nochmal komplett frei.

Und dann?

Nichts.

Sehr schade.

Ich wollte nicht gleich Silvester.

Aber ein bisschen „Hallo Düsseldorf, hier brennt jetzt kurz der Himmel“ wäre schon schön gewesen.

Stattdessen blieb der Himmel erstaunlich TÜV-konform.

Kann man machen.

War trotzdem schade.

Und dann kam die Abreise.

Ach.

Die Abreise.

Da hatte die Organisation offenbar Feierabend.

Hin?

Super.

Raus?

Viel Glück und möge der stärkere Stoßfänger gewinnen.

Auf dem Parkplatz selbst:

Kein Einweiser.

Keiner.

Null.

Nichts.

Autos überall.

Menschen überall.

Jeder versucht irgendwie herauszufinden, welche Schlange eigentlich wohin führt.

Oder ob sie überhaupt führt.

Vielleicht war das auch Kunst.

Mobilität als Escape Room.

An den Ausfahrten standen dann zwei oder drei Einweiser.

Für diese Masse an Autos.

Zwei oder drei.

Das muss man sich vorstellen.

Große Arena.

Zehntausende Menschen.

Riesige Parkflächen.

Und draußen denkt sich offenbar jemand:

„Für die Abreise? Ach, Kevin und zwei Kollegen schaffen das.“

Kevin hat eine Warnweste und einen Leuchtstab.

Was soll schon schiefgehen?

Eine Stunde standen wir auf dem Parkplatz.

Eine Stunde.

Nicht auf der Autobahn.

Nicht wegen Unfall.

Nicht wegen Baustelle.

Parkplatz.

Stillstand.

Motor an.

Motor aus.

Fünf Meter.

Warten.

Noch drei Meter.

Warten.

Irgendwann entwickelt man eine emotionale Beziehung zum Auto vor einem.

„Na, silberner Golf. Wir zwei schaffen das.“

Dass Großveranstaltungen bei der Abreise Verkehr produzieren, überrascht mich übrigens nicht.

Ich bin da sehr anspruchslos.

Wenn zehntausende Menschen gleichzeitig nach Hause wollen, wird es voll.

Das ist Physik.

Aber:

Diese Menschen sind nicht spontan während des Konzerts entstanden.

Man wusste vorher, dass sie da sind.

Man wusste auch, dass sie irgendwann wieder weg wollen.

Das ist normalerweise der zweite Teil von:

Anreise und Abreise.

Hin bekommt ihr das ordentlich sortiert.

Zurück dann:

„Joa. Fahrt mal.“

Schön.

Und genau deshalb ist es so unnötig.

Der Abend selbst war gut.

Die Band war gut.

Die Stimmung war gut.

Die Anreise war gut.

Der Sound war mir teilweise zu laut.

Das Feuerwerk hat gefehlt.

Der Start war unnötig spät.

Und die Abreise war organisatorisch ungefähr:

Parkplatz mit Hoffnung.

Man muss einen guten Abend nicht schlechtreden, nur weil einzelne Dinge nerven.

Im Gegenteil.

Gerade weil die Show Spaß gemacht hat, fallen diese Sachen auf.

20 Uhr draufschreiben und um 20:30 anfangen?

Nervt.

Sound so laut drehen, dass der Bass kurz Eigentümer meiner Milz wird?

Kann man auch zwei Klicks weniger machen.

Kein Feuerwerk?

Schade.

Wirklich schade.

Und danach eine Stunde auf dem Parkplatz stehen, weil offenbar niemand gedacht hat, dass die Leute nach dem Konzert wieder nach Hause möchten?

Das ist schon fast konsequent.

Erst warten wir auf die Backstreet Boys.

Dann warten wir auf die Ausfahrt.

Everybody.

Rock your body.

Everybody.

Rock your car im ersten Gang.

Am Ende bleibt:

Backstreet Boys in Düsseldorf?

Richtig cool.

Show?

Stark.

Nostalgie?

Voll getroffen.

Anreise?

Gut gemacht.

Sound?

Teilweise mehr Druckprüfung als Musik.

Feuerwerk?

Leider Fehlanzeige.

Und die Abreise?

Eine Stunde Parkplatzmeditation.

Backstreet’s back.

Alright.

Nur raus kam erstmal keiner.