McRib: 37 Jahre Stammplatz. Jetzt plötzlich Aktionsware.
37 Jahre gehörte der McRib in Deutschland einfach dazu. Seit heute ist Schluss. Natürlich nicht ganz: Als Aktionsprodukt darf er irgendwann wiederkommen. Wie praktisch.
Der McRib ist weg.
Also nicht weg-weg.
Das wäre zu einfach.
Seit heute, dem 28. Oktober 2026, ist er nach 37 Jahren nicht mehr Teil des dauerhaften McDonald’s-Sortiments in Deutschland.
37 Jahre.
Seit 1989.
Der Mauerfall kam.
Deutschland wurde wiedervereinigt.
Das Internet kam.
Das Smartphone kam.
Twitter kam und ging geistig mehrfach kaputt.
Und irgendwo dazwischen lag zuverlässig ein längliches Stück Schweinefleisch in BBQ-Sauce zwischen zwei Brötchenhälften.
Der McRib war einfach da.
Jetzt nicht mehr.
McDonald’s erklärt dazu, man entwickle das Angebot regelmäßig weiter und setze neben Klassikern bewusst auf wechselnde Aktionsprodukte.
Das ist Unternehmenssprache für:
Wir ändern was.
Warum genau?
Angebot wird weiterentwickelt.
Danke.
Jetzt weiß ich Bescheid.
Konkrete Gründe nennt McDonald’s nämlich nicht. Keine veröffentlichten Verkaufszahlen, kein „den kauft keiner mehr“, keine große Schweinefleischstrategie. Einen Zusammenhang mit regulatorischen Änderungen bei Zutaten oder Aromen hat das Unternehmen sogar verneint.
Stattdessen kommt erstmal der McFarmer.
Für ein paar Wochen.
Auch Schwein.
Damit ist zumindest die Theorie vom plötzlichen Ende des Schweinefleischzeitalters bei McDonald’s ziemlich schnell erledigt.
Es geht offenbar nicht darum, dass Schwein grundsätzlich raus muss.
Es geht um den McRib.
Und ausgerechnet der hatte in Deutschland eine Sonderstellung.
Während andere Länder dieses Ding seit Jahren wie einen seltenen Kometen behandeln – „DER McRIB IST WIEDER DA!!! NUR FÜR KURZE ZEIT!!!“ – konnten wir in Deutschland einfach hingehen und einen kaufen.
Ganz unspektakulär.
Montag.
Dienstag.
Februar.
August.
Kein Countdown.
Keine Wiederkehr.
Keine Petition.
Keine dramatische Musik.
Einfach:
„Einmal McRib.“
Deutschland und Luxemburg waren zuletzt sogar die einzigen Märkte, in denen er dauerhaft im Standardsortiment stand. In den USA beispielsweise ist der McRib seit Jahren ein zeitlich begrenztes Comeback-Produkt.
Und jetzt kommt der interessante Teil.
McDonald’s sagt nämlich nicht:
Der McRib ist für immer Geschichte.
Im Gegenteil.
Eine zeitweise Rückkehr sei später möglich.
Ach.
Da haben wir ihn.
Heute fliegt er nach 37 Jahren aus dem festen Sortiment.
Und morgen kann er irgendwann zurückkommen als:
ER IST WIEDER DA!
Nur für kurze Zeit.
Solange der Vorrat reicht.
Jetzt probieren.
App öffnen.
Coupon sichern.
McRib-Wochen.
McRib-Monat.
McRib-ist-zurück-und-du-hast-nur-17-Tage-Saison.
Natürlich unterstelle ich McDonald’s nicht, dass genau das der konkrete Grund für die Streichung ist. Das Unternehmen sagt es nicht, und Verkaufszahlen gibt es dazu ebenfalls nicht.
Aber marketingtechnisch ist der Unterschied schon ziemlich praktisch.
Was immer verfügbar ist, erzeugt keinen Zeitdruck.
Was jederzeit verschwinden kann, schon.
Gestern:
„Ich könnte mal wieder einen McRib essen.“
Morgen:
„SCHEISSE, DER McRIB IST NUR NOCH BIS SONNTAG DA.“
Dasselbe Produkt.
Komplett anderes Gefühl.
Knappheit kann etwas begehrenswerter machen, ohne dass man am Produkt selbst eine einzige Gurkenscheibe ändern muss.
Und beim McRib funktioniert dieser Mechanismus international seit Jahren hervorragend.
In den USA kündigt McDonald’s seine Rückkehr regelmäßig wie den Besuch eines verschollenen Familienmitglieds an. Der Konzern selbst beschreibt die begrenzte Verfügbarkeit dort sogar als Teil dessen, was den McRib besonders mache.
Deutschland war der Sonderling.
Hier war der McRib kein Ereignis.
Hier war er Inventar.
Big Mac.
Hamburger.
Pommes.
McRib.
Fertig.
Vielleicht war genau das irgendwann sein Problem.
Ein Kultprodukt, das immer da ist, kann schlecht zurückkommen.
Man kann keinen Hype um die Wiederkehr von etwas bauen, das gestern noch für 5,49 Euro neben den Nuggets stand.
Dafür muss es erstmal weg.
Sehr praktisch.
Und ja, ich verstehe auch die andere Seite.
Restaurantküchen haben begrenzten Platz.
Sortimente verändern sich.
Produkte fliegen raus.
Andere kommen rein.
McDonald’s ist keine staatliche McRib-Grundversorgung.
Niemand hat verfassungsmäßigen Anspruch auf BBQ-Sauce und gepresstes Schweinefleisch.
Aber nach 37 Jahren ist der McRib eben auch nicht irgendein Aktionsburger, den Kevin nach dem Fitnessstudio einmal bestellt und drei Wochen später vergessen hat.
Der gehörte zum Laden.
Der McRib ist eines dieser Produkte, bei denen selbst Menschen wissen, was gemeint ist, die ihn überhaupt nicht mögen.
Und davon gibt es genug.
Die einen sehen Kult.
Die anderen sehen ein Stück Fleisch, das so tut, als hätte es irgendwann in seinem Leben Kontakt zu einer Rippe gehabt.
Beides ist okay.
Ich mochte schon immer besonders diese Form.
Ein knochenloses Schweinepatty.
Mit eingeprägter Rippenoptik.
Weil offenbar jemand irgendwann gesagt hat:
„Die Leute müssen erkennen, dass das Rippchen sind.“
„Aber da sind gar keine Rippen drin.“
„Dann malen wir welche drauf.“
Lebensmittel mit Cosplay.
Dazu BBQ-Sauce in einer Menge, bei der das Essen des Burgers automatisch zur Handwäsche führt.
Zwiebeln.
Gurken.
Brötchen.
Fertig.
Kein Premium.
Kein Trüffel.
Keine „Signature Sauce mit rauchiger Note“.
Einfach klebrig.
Und genau deshalb funktioniert das Ding.
37 Jahre in Deutschland beweisen zumindest, dass irgendjemand ihn offenbar regelmäßig gegessen hat.
Jetzt verliert Deutschland also seine McRib-Sonderstellung.
Seit heute gilt auch hier:
Vielleicht kommt er wieder.
Irgendwann.
Vorübergehend.
McDonald’s hält sich alles offen.
Für Fans ist das erstmal nervig.
Für Marketing ist es wunderschön.
Denn sollte der McRib in ein paar Monaten mit großem Tamtam zurückkehren, können wir uns schon ungefähr vorstellen, was passiert.
DER KULT-BURGER IST ZURÜCK.
Nur kurze Zeit.
Alle hin.
Alle App auf.
Alle nochmal kaufen, bevor er wieder verschwindet.
Ein Burger, den man 37 Jahre jederzeit bestellen konnte, bekommt plötzlich einen Terminplan.
Das ist keine Fast-Food-Karte mehr.
Das ist Eventgastronomie mit Gurkenscheiben.
Der McRib ist also tot.
Aber wahrscheinlich nur so tot, wie Produkte heute eben tot sind.
Bis die Marketingabteilung ihn wieder braucht.