Da fehlen einem wirklich die harmlosen Wörter.

Ein 26-Jähriger überholt offenbar mehrere Fahrzeuge mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit, verliert die Kontrolle, schleudert in den Gegenverkehr und kracht frontal in ein anderes Auto. Zwei Menschen schwer verletzt. Beide eingeklemmt. Beide müssen von der Feuerwehr aus den Fahrzeugen geholt werden. Totalschaden an beiden Autos. Hinweise auf Alkohol und Betäubungsmittel beim mutmaßlichen Verursacher. Strafverfahren laufen.

Und jetzt steht da irgendwo ein Mensch, der einfach nur entgegenkam.

Zur falschen Zeit auf der richtigen Spur.

Schwer verletzt.

Auto weg.

Alltag weg.

Sicherheit weg.

Und wenn man richtig Pech hat, gibt es von der Versicherung am Ende irgendeinen Zeitwert, der sich anfühlt wie ein schlechter Witz mit Gutachterstempel. Als würde ein kaputtes Auto nur aus Blech bestehen und nicht aus Mobilität, Arbeit, Terminen, Familie, Leben.

Aber Hauptsache, einer musste zeigen, dass sein rechter Fuß mehr Ego hat als Hirn.

Dieses Land tut oft so, als seien Raser tragische Einzelfälle mit zu viel Pech in der Kurve. Nein. Wer mit offenbar viel zu hoher Geschwindigkeit mehrere Autos überholt, spielt nicht Auto. Der nimmt billigend in Kauf, dass andere Menschen seine Dummheit ausbaden.

Und zwar nicht mit einem Kratzer im Lack.

Sondern mit Rettungsschere, Krankenhaus und Monaten voller Ärger.

Das ist das Widerliche daran: Der Schaden bleibt nicht bei dem, der ihn verursacht. Der landet bei Leuten, die nichts dafür können. Bei Menschen, die einfach nur nach Hause wollten. Bei Familien, die dann Anrufe bekommen, die niemand bekommen will. Bei Versicherungen, Werkstätten, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst. Bei allen.

Nur der Vollidiot hatte vorher kurz das Gefühl, wichtig zu sein.

Glückwunsch.

Was für ein erbärmlicher Preis für ein bisschen Tempo.

Und nein, „Unfall“ klingt dafür zu weich. Unfall ist, wenn etwas passiert. Das hier klingt eher nach einer Bewerbung für lebenslangen Busfahrplan.

Wer betrunken, bekifft oder sonst wie benebelt rast und andere schwer verletzt, sollte den Führerschein nicht „abgeben“.

Der sollte ihn verabschieden.

Mit Kerze.

Ohne Rückfahrkarte.