Alles ist nur noch Englisch.
Nicht nur auf Packungen.
Auch aus dem Mund.
Man geht in den Laden und steht nicht mehr vor Produkten, sondern vor einem Sprachunfall mit Marketingbudget.
Da gibt es kein Duschgel mehr.
Es gibt Body Wash.
Keine Creme.
Skin Repair Care Complex.
Kein Müsli.
Morning Crunch Energy Bowl.
Keinen Keks.
Protein Bite.
Keine Socken.
Comfort Fit Daily Essentials.
Natürlich.
Deutsch wäre ja auch zu gefährlich.
Am Ende würde noch jemand verstehen, was er kauft.
Das ist wahrscheinlich der Punkt.
Englisch klingt besser, weil es weniger ehrlich ist. „Körperwaschzeug“ verkauft sich halt schlechter als „Refreshing Body Wash“. Obwohl beides am Ende bedeutet: Mach Schaum auf Haut und hoffe, dass du danach nicht nach Bus riechst.
Aber es bleibt ja nicht beim Aufdruck.
Nein.
Jetzt wird der Quatsch auch noch so ausgesprochen, als hätte jeder zweite Satz ein Auslandssemester in einer Werbeagentur gemacht.
„Hol dir deinen Daily Boost.“
„Für dein Fresh Feeling.“
„Unsere neue Care Routine.“
„Mehr Glow für deinen Lifestyle.“
Lifestyle.
Natürlich.
Früher hatte man ein Leben.
Heute hat man Lifestyle.
Mit Routine.
Und Boost.
Und vermutlich einem Abo.
Dieses verenglischte Gesäusel ist inzwischen überall. In Werbung, im Supermarkt, in Apps, auf Verpackungen, in Podcasts, in Fitnessstudios, in Drogerien. Alles klingt, als hätte Deutsch plötzlich Hausverbot bekommen und dürfte nur noch als Satzbau-Praktikant mitlaufen.
„Der perfekte Snack für unterwegs.“
Unterwegs.
Immerhin.
Ein deutsches Wort hat überlebt.
Mutig.
Besonders schlimm sind diese halben Begriffe. Nicht richtig Englisch. Nicht richtig Deutsch. Eher sprachlicher Smoothie aus Konferenzraum und Rabattaufkleber.
„Jetzt mit Extra Freshness.“
„Für dein Daily Feeling.“
„Mehr Glow für deine Routine.“
„Smart Care für deine Skin.“
Was soll das sein?
Eine Hautcreme oder ein Pitchdeck?
Man kann ja Englisch benutzen, wenn es Sinn ergibt. Technik, internationale Begriffe, Fachwörter, geschenkt. Niemand muss „Router“ jetzt krampfhaft „Datenverteilkasten mit Funkgefühl“ nennen.
Aber warum muss auf jeder Packung Haferflocken klingen, als hätte ein schlecht bezahltes Kreativteam drei Tage lang „Urban Lifestyle“ in einen Mixer geschrien?
Weil es hochwertiger wirken soll.
Internationaler.
Moderner.
Jünger.
Also im Grunde: teurer.
Deutsch ist zu direkt.
Deutsch sagt: „Haferkeks.“
Englisch sagt: „Oat Energy Cookie.“
Und plötzlich kostet das Ding 2,49 Euro mehr und liegt in matter Verpackung mit Pastellfarbe.
Sehr beeindruckend.
Nicht geschmacklich.
Aber typografisch.
Und natürlich gibt es noch diese Sprachkünstler, denen das deutsche Wort nicht mehr einfällt, weil ihr Gehirn inzwischen bei jedem zweiten Begriff automatisch auf Büro-Englisch umschaltet. „Ich muss das noch challengen, bevor wir es finalisieren.“ Klar. Früher hieß das: drüber nachdenken. Aber das klang vermutlich zu sehr nach Arbeit.
Noch schöner wird es, wenn Menschen diese Begriffe dann auch mit diesem künstlichen Werbeakzent aussprechen. Dieses „Care“, das nicht mehr wie ein Wort klingt, sondern wie ein kleiner Imagefilm im Hals. Dieses „Boost“, bei dem man merkt, dass gerade jemand innerlich ein Produkt verkauft, obwohl er nur über Joghurt redet.
„Ich nutze jetzt diese neue Skin-Care.“
Ach so.
Creme.
Du meinst Creme.
Oder „Selfcare“.
Früher hieß das: Ich bade, esse Chips und will heute mit niemandem reden.
Heute heißt das Selfcare und hat eine Duftkerze, ein Hashtag und wahrscheinlich eine Limited Edition.
Das Absurde ist ja: Oft klingt es nicht einmal gut.
Es klingt wie ein LinkedIn-Post auf Müsliriegel.
Feel Good Snack Moment.
Active Performance Care.
Smart Living Solution.
Daily Energy Experience.
Was soll das sein?
Eine Zahnpasta oder ein Beratungsangebot?
Man weiß es nicht.
Man kauft heute keine Produkte mehr. Man kauft Versprechen in Fremdsprache. Kleine Konsum-Horoskope mit Barcode.
Und überall dieses „Boost“.
Energy Boost.
Fresh Boost.
Glow Boost.
Mood Boost.
Immunity Boost.
Wenn alles boostet, ist irgendwann gar nichts mehr normal.
Dann steht man morgens im Bad, benutzt sein Wake-Up Shower Gel mit Freshness Boost, trinkt einen Coffee To Go mit Focus Kick, isst einen Protein Bite mit Energy Core und fragt sich mittags, warum man innerlich klingt wie ein Werbebanner mit Schlafmangel.
Vielleicht wäre etwas Ehrlichkeit schön.
Einfach mal:
Seife.
Keks.
Creme.
Wasserflasche.
Socken.
Kein Glow.
Kein Boost.
Kein Feeling.
Kein Lifestyle.
Nur ein Produkt, das tut, was es soll.
Aber das wäre natürlich viel zu radikal.
Am Ende müsste Marketing wieder echte Gründe finden, warum etwas gut ist.
Und nicht nur ein englisches Wort draufkleben, es mit Werbeakzent aussprechen und hoffen, dass niemand merkt, dass darunter einfach derselbe Kram liegt wie immer.
Mit neuem Namen.
Und mehr Experience.